In Der Höhle

In Der Höhle 4 98

Es passiert nichts- es geschieht zu viel. Wann aber ist das Richtige dabei? Wann das richtige Maß erfüllt? Keine Lust füllt mich mehr aus. Grau in grau ist es. Nirgends Licht. Nie mehr ein Ziel. Ein Plan erst recht nicht. Nichts!

Ich fühle mich haltlos, rastlos. Etwas möchte, muss (?) ich doch unternehmen. Ich will hinaus, in die Ferne tigern. Das Hier hinter mich lassen. Neuanfang? Neue Hoffnung? Altes auslöschen? Vergessen machen? Verdrängen? Ungeschehen machen?

Egal- raus mit mir. Flink wurde das Nötigste zusammengerafft. Draußen lacht mich schon gar lustig ein Gewitter an. Eines der übelsten Sorte. Blitze & Donner reichen sich die Hände & dazu das herrliche, nie aufhörende Prasseln des Regens. Ein wahres Musik- & Meisterstück. Das einzige Meisterstück? Regen- mein einziger, treuer, beständiger Begleiter?

Das macht mir nichts aus. Vom Regen in die Traufe ... Überall breite ich mich aus. Das Gefühl, alle umgarnen zu können, zu müssen kommt in mir hoch. Jetzt möchte ich mich fallen lassen. So wie & wo ich bin in die reizenden, tobenden Stürzbäche lieblich gleiten. Wie ist das traumhaft. Ein fürchterlicher Sturm, der längst schon überfällig war, lebt sich genau so aus. Er wächst an zum Orkan. Mich friert es. Es fröstelt mich. Keine Luft erhalte ich. Das windige Unwesen breitet sich komplett aus. Keine Lust füllt mich mehr aus- grau in grau ist es. Die Kälte lächelt gar grässlich. Nun benötige ich Schutz, Wärme. Wohin?

Ich breche auf nach Nirgendwo. Ich stolpere, ich falle. Manchmal schaffe ich es sogar mich aufzurappeln. Doch- wozu?

Tiere, die gelegentlich meinen Weg kreuzten & so in meinen Magen springen durften, sind nicht mehr auszumachen & zu erkennen. Sie fanden ihren Bau, ihren Unterschlupf, ihre Höhle, ihren warmen Schutz. Ein glückliches Tier müßte man sein ...

Wo ginge ich jetzt als Tier hin? In ein Versteck, eine geborgenheit-spendende Bleibe- eine Höhle ... eine Höhle? Genau- existiert die jedoch?

Früher einmal, bei den ersten jugendlichen Streifzügen, verbrachte ich dort so manche angenehme Nacht; nicht alleine. Doch im Laufe der Zeit vernachlässigte ich sie wie alles & jeden- aber macht das nicht jeder?

Ich breche auf. Ich stolpere. Ich falle. Manchmal möchte ich nur noch liegen bleiben. Irgendwie wanke ich nach vorne, irgendwie. Tatsächlich! Eine Höhle erwartet mich. Sie ist der Dank für das unendliche Mühen, Abkraxeln. Ich stürme auf sie zu, falle in einen tiefen Schlaffe träume von Bildern der Vergangenheit. Wieso ist sie vorbei? Wieso musste sie enden? Weshalb konnte dieser Trott nicht ewiglich weitergehen? Genosse ich wahrlich meine Zeit???

Ausgeschlafen, erholt, ausgeruht & von der Vergangenheit eingeholt & entsprechend aufgeweckt, erwache ich. Die Höhle scheint kleiner geworden zu sein- irgendwas veränderte sich, fehlt ...

Plötzlich entdecke ich Wärme, Geborgenheit, Vertrauen, Aufrichtigkeit. Ein Wesen kuschelte sich eng an mich & hält mich in engster Umarmung. So wie damals ... Irgendwoher kenne ich diese Gestalt- aus der Zeitung. Dort stand: 'Wo ist der Waldschrat von der Höhle?’

Wahrscheinlich war er ein Adliger, der sich hier eine neue, weitere Existenz aufbaute. Dieser liegt nun neben mir. Niemand weiß, ob er gemeingefährlich ist.

Weshalb tauchte er hier unter? Wie hält er es mit seinen Eßgewohnheiten? Kehrt er gelegentlich zur Zivilisation zurück? Mutierte er zu einem Kannibalen?

Gar lieblich schlummert er. Wie ansteckend dies doch ist. Ich ahme ihn nach. Zu schwer wird mir mein Haupt & seins auf mir.

Ich blinzele. Entdecke gar liebliche Äuglein. 'Hallo- schon wach?' So werde ich geweckt. Nichts weiß ich mehr. Ist auch gar nicht notwendig. Viele Sätze bombardieren mich. Er scheint sich lange nicht mehr unterhalten zu haben.
Gar viel höre ich- am meisten interessiert mich sein Grund des Zurückziehens: eine Partnerin enttäuschte ihn. Er zog sich zurück. Will mit niemandem etwas zu tun haben. Keine Liebe mehr versprühen & verspüren. Nur noch mit sich in Gesellschaft sein. So weiß man, was der Andere macht, denkt, fühlt, will, empfindet ...

Doch- ist dies göttlich? Sich zurückziehen? Den Kopf in den Sand stecken? Vogel Strauß zu spielen? Sich aufgeben? Ist dies all zu menschlich? Sich selbst vernachlässigen?

Moment. Bin ich nicht genau so? Ich suchte doch auch eine Höhle, meine Höhle. Hinaus mit mir! In die Kälte, zur Herausforderung, zum Problem, das Hier bewältigen, mich mit Mitmenschen beschäftigen. Wieso zögere ich noch?

Der Mensch braucht trotz allem den Menschen. Weshalb ließ ich mir so viel Zeit?
Und Du???

(Eingegeben 14.02.07 - Ausgedacht 04/98)

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