Wirklich Entscheidend & Wichtig
Wirklich Entscheidend & Wichtig 11 97
Was ist denn nun wirklich entscheidend & wichtig?
Eine Zeit lang dachte ich tatsächlich allen Ernstes, ich wüsste die Antwort; die dann jämmerlich zusammenbrach bei dem ersten Lüftchen. Nun ging es rauf & runter- zu sehr & schnell für mich.
Außerdem zog eine Bekanntschaft weg; eine meldet sich nicht mehr; eine sieht in mir, was ich nicht bin; wieder eine Andere, was ich nicht sein möchte & noch eine Andere, was sie nicht sehen will- so könnte ich es immer weiter fortsetzen.
Zu viel auf einmal? Das Falsche im rechten Augenblick? Das Richtige im falschen Moment? Inkonsequent konsequent gewesen? Unnötige Aktionen, Wege, Antworten, Gedanken, Witze?
Fragen über Fragen- keine einzige zufrieden stellende Antwort.
Ich weiß nicht, was zu tun, warum einige erträumte Gegenreaktionen ausblieben; es ist auch nicht wichtig, hinfällig- ich bin auf meinem Weg- von der Spielbank durch den Park zu den Bergen. Bei den Bergen angekommen, wird mich niemand mehr in Frage stellen; gewiss ab ich dazu Anlass- vielleicht hätte ein Gespräch viel geklärt, jedoch ich will nicht mehr. Ich idealisierte die Mitleute- ich vergaß, dass es letzten Endes doch nur Menschen bleiben.
Nun wirke ich desorientiert, müde, abgeschlafft, fragend, orientierungslos, zweifelnd, unsicher- das ist mir egal. Ich will nur noch den Weg zu Ende gehen; bei der Spielbank möchte ich wenigsten einmal ein Großer sein, sämtliches Vermögen soll dort bleiben oder sich vervielfachen; bei den Bergen kommt der langersehnte Schluss: von der Spitze in die Tiefe springen, frei sein- vogelfrei war ich lang genug.
Der Park ist ein Übel, das erduldet werden muss- mittlerweile bin ich mittellos. Wie sich die Croupiers freuten- wie die Gunst der lieblichen Frauen sich rasend veränderte.
Ich denke, die meisten Leute wollen gar nicht die Wahrheit, das offene Wort, ehrliche Zugeständnisse. Sie wünschen betrogen zu werden, sie wollen träumen, sie möchten von ihrem eigenen Scheiß-Leben abgelenkt werden.
Jetzt weiß ich es- besser spät als nie.
Im Park bin ich direkt fröhlich; kurz vor dem Ziel! Ich höre ein Lachen; sollte ich mich dorthin bewegen? Warum nicht- nun wartete ich so lange mit der Erlösung, da macht ein weiterer Un-Weg & Um-Weg nichts mehr aus.
Gar herrlich klingt das weibliche Lachen- es gleicht einem netten Glucksen, einem Fluss der nimmermüden Freude, der ewigen, naiven Glückseligkeit. Ganz warm wird es mir- ich will sie entdecken. Nun sah ich sie- sie realisierte mich nicht. Sie war konzentriert mit dem Ding vor ihr.
Werde ich närrisch? Lasse ich mich von etwas verleiten, was man links liegen lassen sollte? Was nur Probleme mit sich bringt? Was nur enttäuschen kann?
Willenlos zieht mich das Verlangen, sie näher zu betrachten.
Paar Schritte vor mir steht sie nun- eine Frau, die einst das höchste Ansehen genoss; gar nicht wissen, möchte ich, wie viele männlich-ähnliche Wesen ihren Schoß begutachteten.
Einst war sie unschuldig, doch als sie schuldig wurde, stieg ihr Ansehen- auch sie ist nur ein Mensch, ein Macht-Mensch.
Auf einmal verzichtete sie dann auf alles- niemand begriff es. Sie trällerte nur munter: 'Niemand muss alles verstehen- es gibt eben wichtige Dinge.'
Von da an verschwand sie aus der Presse, so war die Öffentlichkeit nicht mehr an sie interessiert- niemand hielt zu ihr; warum auch?
Man erhielt, was man wollte, sie nützt nicht mehr, sie macht nichts mehr für einen- weshalb weiterhin höflich sein? Allerdings wirkte sie anmutiger denn je- die Wochen vorher eigentlich auch schon, wenn ich es mir richtig bedenke.
Doch nun sieht sie mich- 'Ist das nicht ein herrlicher Tag?' möchte sie von mir mit einem Sommerstrahlen im Gesicht erfahren, obwohl es zu regnen begann; es muss wohl schon eine ganze Zeit regnen, ich bemerke Pfützen.
Sie erzählt ihr Leben- ohne Einschränkungen wird mir alles berichtet. Ich bin baff, warum vertraut sie mir? Gerade mir? Was macht sie alleine im Park?
Ein Ort, der für mich nur solch ein Übel darstellt; die Möglichkeit, um zu dem Eigentlichen zu gelangen. Voll Freude zeigt sie mir ihr Ding-
'Schauen Sie! Schauen sie doch nur! Ist er nicht süß?'
Ich sehe nichts.
'Wenn ich bedenke, wie viele Brüderchen oder Schwesterchen er haben könnte, aber OK. Das ist wohl die Vergangenheit, ich...' So fährt sie fort.
Ich kann nichts nachvollziehen. Was soll das denn? Nach & nach dämmert es mir. Ich frage nach & komme zur Analyse:
sie wurde ungewollt Mutter. Dieses Ding bereitete ihr zunächst Schmerzen, doch nach einer Weile stellte sie heraus, dass es nur einen gibt, den sie vertrauen kann- wohl dem, der einer Person trauen kann; die nicht sofort, sondern später das Geheimnis weitertratscht!- so ging sie immer mehr in ihm auf.
Er wurde ihr eigentliches Lebenswerk; er sollte das erleben, was sie wollte, aber nicht konnte; er wurde zum Symbol der Hoffnung, der Wichtigkeit- er wurde ihre Zukunft; die Vergangenheit ließ sie schnell los, was nur allzu menschlich ist.
Eines Tages hatte er einen Unfall, verfiel ins Koma- sie war, ziemlich widermenschlich & unnatürlich, Tag & Nacht bei ihm. Sie päppelte ihn auf; er bemerkte ihre Liebe, Wärme, Aufrichtigkeit- er wollte sie nicht enttäuschen, er musste so gut es eben geht weiterleben; er entkam dem Koma.
Mutter & Sohn, einen Schnitt mal entfernt, fanden einander richtig. Alles harmoniert- ihre Erfahrung, seine kindliche Neugier. Was gibt es Wichtigeres?
Ist es nicht göttlich, jemand ist für einen da, wegen des Daseins & nicht auf Grund einer Zweckgemeinschaft o.a.?
Jetzt darf ich ihn betrachten- ich empfinde Kälte; er schaut gar nicht mich an, sondern starrt wie unangesprochen gen Himmel.
Der Unfall hinterließ viele Narben, der gesamte Körper scheint unbeweglich ... hätte man ihn nicht sterben lassen können? Hätte man dann nicht das Krankenhaus verklagen können, um Geld zu erhalten? Immer mehr- nie genug!
Sie scheint meine Abscheu, meinen Ekel, meinen ehrlichen, wahrhaftigen & richtigen Materialismus übersehen zu wollen, denn sie lässt die Worte aus ihrem Mund gleiten:
'Gelt, da sind Sie sprachlos? Das ist doch des Lebenssinns-Antwort. Und sehen Sie, auch wie entzückend! Er hat sich bewegt! Er hat sich wirklich auf & ab bewegt! Das bedeutet: ihm geht es gut! Ich bin so freudig! Er kann nämlich seit kurzem wieder seinen rechten kleinen Finger bewegen- auf & ab bedeutet: alles OK & ja; zur Seite: nein ... ich bin ...'
Das ist mir zu viel!
Ich fühle mich klein, unbedeutend, schäbig- weshalb wollte ich zu den Bergen??? Was bin ich doch für ein Scheiß-Wichtigtuer.
Moment mal, auf dem Schiff sagte man: 'Ich gehe mal die Fisch füttern'.
Das werde ich dann auch...
Ich hoffe...
(Eingegeben 13.02.07 - Ausgedacht 11/97)
Was ist denn nun wirklich entscheidend & wichtig?
Eine Zeit lang dachte ich tatsächlich allen Ernstes, ich wüsste die Antwort; die dann jämmerlich zusammenbrach bei dem ersten Lüftchen. Nun ging es rauf & runter- zu sehr & schnell für mich.
Außerdem zog eine Bekanntschaft weg; eine meldet sich nicht mehr; eine sieht in mir, was ich nicht bin; wieder eine Andere, was ich nicht sein möchte & noch eine Andere, was sie nicht sehen will- so könnte ich es immer weiter fortsetzen.
Zu viel auf einmal? Das Falsche im rechten Augenblick? Das Richtige im falschen Moment? Inkonsequent konsequent gewesen? Unnötige Aktionen, Wege, Antworten, Gedanken, Witze?
Fragen über Fragen- keine einzige zufrieden stellende Antwort.
Ich weiß nicht, was zu tun, warum einige erträumte Gegenreaktionen ausblieben; es ist auch nicht wichtig, hinfällig- ich bin auf meinem Weg- von der Spielbank durch den Park zu den Bergen. Bei den Bergen angekommen, wird mich niemand mehr in Frage stellen; gewiss ab ich dazu Anlass- vielleicht hätte ein Gespräch viel geklärt, jedoch ich will nicht mehr. Ich idealisierte die Mitleute- ich vergaß, dass es letzten Endes doch nur Menschen bleiben.
Nun wirke ich desorientiert, müde, abgeschlafft, fragend, orientierungslos, zweifelnd, unsicher- das ist mir egal. Ich will nur noch den Weg zu Ende gehen; bei der Spielbank möchte ich wenigsten einmal ein Großer sein, sämtliches Vermögen soll dort bleiben oder sich vervielfachen; bei den Bergen kommt der langersehnte Schluss: von der Spitze in die Tiefe springen, frei sein- vogelfrei war ich lang genug.
Der Park ist ein Übel, das erduldet werden muss- mittlerweile bin ich mittellos. Wie sich die Croupiers freuten- wie die Gunst der lieblichen Frauen sich rasend veränderte.
Ich denke, die meisten Leute wollen gar nicht die Wahrheit, das offene Wort, ehrliche Zugeständnisse. Sie wünschen betrogen zu werden, sie wollen träumen, sie möchten von ihrem eigenen Scheiß-Leben abgelenkt werden.
Jetzt weiß ich es- besser spät als nie.
Im Park bin ich direkt fröhlich; kurz vor dem Ziel! Ich höre ein Lachen; sollte ich mich dorthin bewegen? Warum nicht- nun wartete ich so lange mit der Erlösung, da macht ein weiterer Un-Weg & Um-Weg nichts mehr aus.
Gar herrlich klingt das weibliche Lachen- es gleicht einem netten Glucksen, einem Fluss der nimmermüden Freude, der ewigen, naiven Glückseligkeit. Ganz warm wird es mir- ich will sie entdecken. Nun sah ich sie- sie realisierte mich nicht. Sie war konzentriert mit dem Ding vor ihr.
Werde ich närrisch? Lasse ich mich von etwas verleiten, was man links liegen lassen sollte? Was nur Probleme mit sich bringt? Was nur enttäuschen kann?
Willenlos zieht mich das Verlangen, sie näher zu betrachten.
Paar Schritte vor mir steht sie nun- eine Frau, die einst das höchste Ansehen genoss; gar nicht wissen, möchte ich, wie viele männlich-ähnliche Wesen ihren Schoß begutachteten.
Einst war sie unschuldig, doch als sie schuldig wurde, stieg ihr Ansehen- auch sie ist nur ein Mensch, ein Macht-Mensch.
Auf einmal verzichtete sie dann auf alles- niemand begriff es. Sie trällerte nur munter: 'Niemand muss alles verstehen- es gibt eben wichtige Dinge.'
Von da an verschwand sie aus der Presse, so war die Öffentlichkeit nicht mehr an sie interessiert- niemand hielt zu ihr; warum auch?
Man erhielt, was man wollte, sie nützt nicht mehr, sie macht nichts mehr für einen- weshalb weiterhin höflich sein? Allerdings wirkte sie anmutiger denn je- die Wochen vorher eigentlich auch schon, wenn ich es mir richtig bedenke.
Doch nun sieht sie mich- 'Ist das nicht ein herrlicher Tag?' möchte sie von mir mit einem Sommerstrahlen im Gesicht erfahren, obwohl es zu regnen begann; es muss wohl schon eine ganze Zeit regnen, ich bemerke Pfützen.
Sie erzählt ihr Leben- ohne Einschränkungen wird mir alles berichtet. Ich bin baff, warum vertraut sie mir? Gerade mir? Was macht sie alleine im Park?
Ein Ort, der für mich nur solch ein Übel darstellt; die Möglichkeit, um zu dem Eigentlichen zu gelangen. Voll Freude zeigt sie mir ihr Ding-
'Schauen Sie! Schauen sie doch nur! Ist er nicht süß?'
Ich sehe nichts.
'Wenn ich bedenke, wie viele Brüderchen oder Schwesterchen er haben könnte, aber OK. Das ist wohl die Vergangenheit, ich...' So fährt sie fort.
Ich kann nichts nachvollziehen. Was soll das denn? Nach & nach dämmert es mir. Ich frage nach & komme zur Analyse:
sie wurde ungewollt Mutter. Dieses Ding bereitete ihr zunächst Schmerzen, doch nach einer Weile stellte sie heraus, dass es nur einen gibt, den sie vertrauen kann- wohl dem, der einer Person trauen kann; die nicht sofort, sondern später das Geheimnis weitertratscht!- so ging sie immer mehr in ihm auf.
Er wurde ihr eigentliches Lebenswerk; er sollte das erleben, was sie wollte, aber nicht konnte; er wurde zum Symbol der Hoffnung, der Wichtigkeit- er wurde ihre Zukunft; die Vergangenheit ließ sie schnell los, was nur allzu menschlich ist.
Eines Tages hatte er einen Unfall, verfiel ins Koma- sie war, ziemlich widermenschlich & unnatürlich, Tag & Nacht bei ihm. Sie päppelte ihn auf; er bemerkte ihre Liebe, Wärme, Aufrichtigkeit- er wollte sie nicht enttäuschen, er musste so gut es eben geht weiterleben; er entkam dem Koma.
Mutter & Sohn, einen Schnitt mal entfernt, fanden einander richtig. Alles harmoniert- ihre Erfahrung, seine kindliche Neugier. Was gibt es Wichtigeres?
Ist es nicht göttlich, jemand ist für einen da, wegen des Daseins & nicht auf Grund einer Zweckgemeinschaft o.a.?
Jetzt darf ich ihn betrachten- ich empfinde Kälte; er schaut gar nicht mich an, sondern starrt wie unangesprochen gen Himmel.
Der Unfall hinterließ viele Narben, der gesamte Körper scheint unbeweglich ... hätte man ihn nicht sterben lassen können? Hätte man dann nicht das Krankenhaus verklagen können, um Geld zu erhalten? Immer mehr- nie genug!
Sie scheint meine Abscheu, meinen Ekel, meinen ehrlichen, wahrhaftigen & richtigen Materialismus übersehen zu wollen, denn sie lässt die Worte aus ihrem Mund gleiten:
'Gelt, da sind Sie sprachlos? Das ist doch des Lebenssinns-Antwort. Und sehen Sie, auch wie entzückend! Er hat sich bewegt! Er hat sich wirklich auf & ab bewegt! Das bedeutet: ihm geht es gut! Ich bin so freudig! Er kann nämlich seit kurzem wieder seinen rechten kleinen Finger bewegen- auf & ab bedeutet: alles OK & ja; zur Seite: nein ... ich bin ...'
Das ist mir zu viel!
Ich fühle mich klein, unbedeutend, schäbig- weshalb wollte ich zu den Bergen??? Was bin ich doch für ein Scheiß-Wichtigtuer.
Moment mal, auf dem Schiff sagte man: 'Ich gehe mal die Fisch füttern'.
Das werde ich dann auch...
Ich hoffe...
(Eingegeben 13.02.07 - Ausgedacht 11/97)
per arne - 13. Feb, 21:15
