Mittwoch, 26. Dezember 2007

Requiem 07 01

Requiem 07 01

Mein Freund es ist so weit- entschieden ist wohl wer von uns Beiden zuerst weiß, wie es im weiteren Leben zu sich geht. Du bist zu begraben. Ich kann mir nicht vorstellen warum.

Schon immer stellten wir fest, dass das Leben nicht lebenswert ist, aber: Stimmt dies? Was erfuhren wir schon? Was wissen wir überhaupt?

Mein Freund, so viel möchte ich ungeschehen machen, verstehen, sagen, unternehmen, zurücknehmen- kann ich es jemals tun? Kleinigkeiten halten uns doch von dem wahrhaft Großem ab. Immer werden andere bevorzugt, bevorteilt. Nie tritt tatsächlich das Erhoffte ein. Nichts wissen wir. Ist der Erfolg die Spiegelung des Zweifels? Sind wir glücklich, wenn wir uns wirklich glücklich fühlen könnten oder bleiben wir ständig trotzdem unglücklich? Verpennen wir letzten Endes bloß unser Leben? Verpassen wir immer die besten Möglichkeiten? Als das Falsche im rechten Augenblick? Immer das Richtige im falschen Moment?

Ich weiß nicht- ich weiß nichts- glücklich sind doch die geistig Armen? Bin ich glücklich? Was bin ich? Elementares wird herausgenommen. Nichts stimmt, nichts klappt. Alles soll gemacht werden, niemand macht es in Realität. Mein Freund: Ich vermisse Dich; ich verlor Dich; ich verlor einen Freund. Meinen besten Freund. Meinen einzigen Freund. Ohne Dich gibt es keinen. An allen & allem habe ich etwas auszusetzen. Ich bin wieder der Einzelkämpfer- nie war ich einsamer als jetzt. Was machen wir nun? Wie mir die Welt zuwider ist. Wo bist Du?

Schon jetzt vermisse ich Dich tatsächlich- teilte ich dies Dir jemals mit? Was soll ich machen? Was taten wir nicht alles zusammen? Doch- nun ist es für alle Zeit vorbei. Wirklich?

Nun weiß ich, was ich Dir sagen könnte. Du begleitest mich ständig. Warst Du meine bessere Hälfte? Immer fühlten wir uns als Paar, zumindest im Geiste. Gemeinsam lasen wir u.a. die Bibel. Hilft sie mir nun auch weiter?

- Jesaja 43.1 ‚… fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst, ich habe Deinen Namen gerufen…’. Beruhigend, doch stillt es die Furcht? Treibt es nicht mehr die Frage an, hätte das Rufen nicht doch noch etwas Zeit gehabt? Wir hören doch alle so gut…

- Johannes 8.36 ‚… so Euch nun der Sohn frei macht, so seid Ihr recht frei!...’. Gut zu wissen, dass ich frei bin. Aber wieso soll ich dabei dann einsam sein?

- 11.25 ‚… ich bin die Auferstehung & das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt!...’ Das glaube ich, mein Freund.

- 14.27 ‚… den Frieden lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch. Nicht gebe ich Euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht & fürchte sich nicht…’. Gut- gerne lasse ich mich überraschen.

- 16.22 ‚… und Ihr habt nun auch Traurigkeit, aber ich will Euch wieder sehen, und Euer Herz soll sich freuen, und Eure Freude soll niemand von Euch nehmen…’. Schön, wenn das stimmt.

- 1. Kor. 13.13 ‚… mein aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen…’. So soll es wohl sein.

- Matthäus 5.4 ‚… selig sind die, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden…’. Das ist hervorragend- fühlt man sich also so als selig Gesprochener?

- 1. Mose 8.22 ‚… Gott spricht: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat & Ernte, Frost & Hitze, Sommer & Winter, Tag & Nacht…’.
- 26.4 ‚… Fürchte Dich nicht, ich bin mit Dir & will Dich segnen…’.
Beides will ich gerne beherzigen.

Meine große Hoffnung & Philosophie stellt die Offenbarung 2.10 dar: ‚Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben.’ Wichtig ist zu realisieren, was die Prediger erkannten: ‚Der Mensch hat keine Macht, den Wind aufzuhalten, und keine Macht über den Tag des Todes’.

Sehr viel Trost & Zuversicht fanden wir gemeinsam in den Psalmen wie z.B.
- 23.4: ‚Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stecken & Stab trösten mich!
- 23.6: ‚Und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar’
- 31.16: ‚Meine Zeit steht in Deinen Händen
- 84: ‚Wie liebenswert ist Deine Wohnung, o Herr der Heerscharen! Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn
- 118.5: ‚In der Bedrängnis rief ich zum Herrn: Und der Herr hat mich frei gemacht!’
- 123.1 & 2: ‚Ich erhebe meine Augen zu Dir, der Du hoch im Himmel thronst. Wie die Augen der Knechte auf die Hände ihrer Herren, wie die Augen der Magd auf die Hände ihrer Herrin, so schauen unsere Augen auf den Herrn, unseren Gott, bis er uns gnädig ist’.

Mein Freund, gewiss- dies alles sind gar schöne Worte, wunderbare Gedanken. Doch: Werden sie Dich ersetzen? Wieso drehte ich mich immer um mich oder bestenfalls im Kreis? Weshalb stellte ich Dir nicht die wichtigen Fragen & stellte mich dafür lieber in Frage? Warum beeindruck(t?)en mich Banalitäten?

Ich blättere weiter in der Bibel. Ich entdecke Jesus Sirach. 51.35: ‚Sehet mich an: Ich habe eine kleine Zeit Mühe gehabt & habe großen Trost gefunden.’

Ach, mein lieber, alter Freund. Erinnerst Du Dich? Nicht nur die Bibel interessierte uns, sondern jede Art von Schrift & Gedanken zogen wir in uns auf. Erinnerst Du Dich auch? Was wir nicht alles lasen…

Dietrich Bonhoeffer:
- ‚Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott’.
- ‚Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag- Gott ist mit uns am Abend & am Morgen ganz gewiss auch an jedem neuen Tag’.
- ‚Im Leben wird es einem gar nicht bewusst, dass der Mensch unendlich mehr empfängt, als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht.’
-‚Je schöner & voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein wunderbares, kostbares Geschenk, Schatz? in sich’.

Oder auch Rabindranath Tagore.
- ‚Glückliche Tage- nicht weinen, dass sie vorüber; lächeln, dass sie gewesen’
- ‚Ich schlief & träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte & sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte & siehe, die Arbeit & das Leben waren Freude.’
- ‚Ich kam an Deine Küste als Fremdling, ich wohnte in Deinem Haus als Gast, ich verlasse Deine Schwelle als ein Freund, meine Erde.’
- ‚Wenn ich am Ende meines Tages, vor Dir stehe, wirst Du meine Narben sehen & wissen, dass ich Wunden empfing & Heilung fand.’

Oder auch Goethe.
- ‚Wie es auch sei, das Leben, es ist gut’.
- Lynkens im Faust II: ‚Es sei, wie es wolle, es war doch so schön.’
- ‚Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann- die Nacht tritt ein wo niemand wirken kann.’

Oder auch Augustinus.
- ‚Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoffnung, Gedenken unsere Liebe.’
- ‚Du aber bist das letzte Genügen & unvergängliche Erquickung, unerschöpflicher Überfluß.’
- ‚Ihr, die mich liebt, seht nicht auf das Leben, das ich beendete, sondern auf das, welches ich jetzt beginne.’

Oder auch Hermann Hesse.
- ‚Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegensenden, des Lebens Ruf an uns wird niemals enden… Wohlan denn, Herz, nimm Abschied & gesunde’
- ‚Wie jede Blüte welkt & jede Jugend dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, blüht jede Weisheit auch & jede Tugend zu ihrer Zeit & darf nicht ewig dauern’.
- ‚O zitternd gespannter Bogen, wenn der Sehnsucht rasende Faust beide Pole des Lebens zueinander zu biegen verlangt! Oft noch & oftmals wieder wirst Du mich jagen von Tod zu Geburt der Gestaltungen schmerzvolle Bahn, der Gestaltungen herrliche Bahn.’

Oder auch Antoine de Saint-Exupery.
- ‚Das Eigentliche ist unsichtbar…
- ‚Es wird aussehen, als wäre ich tot, aber es wir nicht wahr sein…’
- ‚Und wenn Du Dich getröstet hast, wirst Du froh sein, mich überhaupt gekannt zu haben.

Natürlich auch die Zeilen von Saint-Exupery, die die Vorherigen komplettieren. Wir betitelten die doch erst letzten Monat mit ‚Mich kennen, mich lieben?’. ‚Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich nun auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du alleine wirst Sterne haben, die lachen können…’

Oder auch Rainer Maria Rilke.
- ‚Die Blätter fallen, fallen wie von weit. Wir alle fallen… Und doch gibt es Einen, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält’.
- ‚Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Mund’s. Und wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.’

Oder auch Albert Schweitzer.
- ‚Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen & Abschied nehmen müssen’. Doch weshalb vergessen wir das immer?
- Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht im Herzen seiner Mitmenschen.’

Oder auch Joseph von Eichendorff.
- ‚Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie hinaus- hinweg von dieser Erde, heraus aus dieser Zeit, zu diesem ‚Stirb & Werde’ hinauf zur Ewigkeit, wo in der Schöpfung Hände die Sehnsucht wird gestillt, dass Anfang sich & Ende am Lebensziel erfüllt.’

Oder auch Bertolt Brecht.
- ‚ Die Schwachen kämpfen nicht, die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich.’

Oder auch Fjodor Dostojewski.
- ‚Wie tief ein Mensch leidet, kann der Andere nie erfahren

Oder auch Albert Einstein.
- ‚Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Rede geformt, sondern durch Arbeit & eigene Leistung.’

Oder auch Theodor Fontane.
- ‚An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen Deine Sorgen wie Nebel von Dir ab.’

Oder auch Romano Guardini.
- ‚Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes geheimnisvollen Ganzen, dessen andere Seite die Auferstehung ist.’

Oder auch Dag Hammarskjöld.
- ‚Schau nicht zurück & träume nicht von der Zukunft. Beides wird Dir die Vergangenheit nicht zurückgeben, noch Deine anderen Tagträume erfüllen. Dein Plicht, Dein Lohn, Dein Los sind hier & jetzt’.

Meine liebe Freundin- ist Dir dieses Requiem recht? Das hoffe ich sehr. Wann erfahre ich Deine Gedanken hierüber?

(eingegeben 26.12.07, ausgedacht Juli 01)

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