Am Apfelbaum 01 97
Vor einem Apfelbaum stehe ich
Die Äpfel hängen förmlich in meinem Schlund
Soll ich zu beißen?
Ich sehe wie
Andere nach oben hüpfen
Sie erreichen sie nicht
Doch sie berühren sie und sie haben etwas zu tun
Sollte ich sie nach oben heben?
Nein
Dann sind sie abhängig von mir
Ich muss denen wieder herunter helfen
Fallen sie, bin ich daran schuld
Sie brechen sich alles
Das Genick
Die Knochen
Die Karriere ...
Soll ich die Vögel da ganz oben vertreiben?
Nein
Sie picken nur dämlich vor sich herum
Bald schon werden sie Kirschen essen und im Überfluss Wasser trinken
Das schlägt dann auf den Magen und sie können es nicht mehr ertragen
Harre nur aus und ignoriere ihr jämmerliches Gepiepse
Auch das verstummt mal & bald
Missachte die Hüpfer- bald schon erlahmen sie
Sie sollten warten bis die Äpfel reif sind und zu Boden fallen
Sie brauchen gar nicht zu hüpfen
Warum immer hoch hinaus wollen?
Ich will endlich zubeißen
Endlich erreichen, was so scheinbar nahe ist...
Doch nun
Habe ich plötzlich
Appetit auf Erd-Äpfel ...
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 01 1997)
per arne - 26. Jan, 22:02
Die Katze
Liebe Katze
So wie Du bist
Sollte meine sehr geschätzte, liebe Partnerin sein:
Stolz
Selbstbewusst &
Charakterstark
Nein
Sie lässt das Mausen nicht
Denn sie ist so, wie sie ist
Deshalb liebe ich sie ja
Deshalb fiel sie mir auf
Deshalb kamen wir uns näher
Manchmal ist sie unnahbar
Manchmal ist sie ständig bei mir da
Manchmal berühren sich unsere Köpfe
Dann darf ich sie wieder stundenlang am Bauch graulen
Plötzlich faucht sie mich an
Und verlangt den starken Mann
So gefällt es mir
Dann wieder kommt sie zu mir und spürt, was ich gerade brauche
Dann verteilt sie wieder unverständliche Laute und benötigt mich
Sie fängt an zu schnurren, wenn sie mich sieht
Und zu miauen
Mein Herz klopft
Zufrieden
Glücklich scheint sie auf mir & in meinem Arm
Zufrieden
Glücklich schlummere ich ein wegen ihr
Dann wieder braucht sie Fressen
Dabei darf ich sie nicht stören
Wie bei anderen heiklen Situationen
Oh
Meine liebe Katze:
Welcher Mensch gleicht Dir?
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 01 1997)
per arne - 26. Jan, 21:51
Kalte Welt
Es ist eine kalte Welt
Mir ist kalt
Niemand da zum Wärmen
Keiner erscheint
Wenn ich ihn brauche
Wenn ich nichts zu geben habe
Jeder denkt nur an sich & seine Interessen
Jeder rückt seine Probleme in den Vorder- & Mittelpunkt
Jeder nimmt gerne & gibt höchstens den Rest
Jeder weint sich bei Dir aus, aber lacht mit denen
Über die er soeben noch bei Dir weinte
Jeder versteht das, was er verstehen will & nicht mehr
Jeder erinnert sich erst dann wieder an Dich, wenn alle anderen nicht können
Wollen oder des Ausgenützt-werdens überdrüssig geworden sind
Jeder lässt sein Müll bei Dir & kümmert sich dann ein
Dreck darum, wie Du den wieder loswirst
Warum machst Du es nicht endlich genau so?
Treu dem Motto:
'Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht'
Suche Dein Feuer!
Denn siehe: Das Feuer wurde schon gegen die Kälte erfunden!
Suche es endlich!
Falls es Dich tröstet & erwärmt:
Gewisse Eskimos lieben & benötigen Kälte!
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 01 1997)
per arne - 26. Jan, 21:42
Vorbei
Nun ist es also vorbei
Wovor hatte ich denn nun bitteschön Angst?
Warum führte ich nicht das aus, was ständig in meinem Kopf herumschwirrte?
Wieso ließ ich es zu, vom Ehrgeiz mich verblödeln zu lassen?
Weshalb blieb & ließ ich nicht locker & genoss den Augenblick?
Warum immer perfekter sein?
Immer schneller werden?
Schneller müde?
Wieso benötige ich die
Tatsache der Endgültigkeit, um mich zu besinnen & zu beruhigen?
Weshalb wollte ich alles- erhielt aber nichts?
Warum plante ich das Später & lebte nicht das Heute?
Ist es vorbei?
Nein
Es ist vorbei
Wenn
Ich
Das behaupte ...
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 12 1996)
per arne - 26. Jan, 21:11
Der Zug
Ich verpasste den Zug
Dabei baute ich darauf meine Route auf
Nun werde ich nie mein Ziel erreichen
Nicht wie geplant
Während ich hier am Bahnhof entlang schlendere
Stelle ich fest, es gibt noch andere Möglichkeiten
Andere Möglichkeiten zu reisen
Andere Möglichkeiten an mein Ziel zu gelangen
Andere Möglichkeiten mich auf meine Reise vorzubereiten
Während ich so wandele
Frage ich mich
Warum mein größtes Ziel, nicht das Erreichen des Zuges war?
Warum tat ich nicht alles, um ihn zu erreichen?
Was hinderte mich daran?
Was war da?
Ich hätte doch während der Fahrt schlafen können
Ich wusste doch, was von dem Erreichen abhing
Alles soll jedoch seine Bestimmung & Sinn haben
Ich verpasste den Zug
Den Zug
Der später
Entgleiste ...
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 12 1996)
per arne - 26. Jan, 21:04
Der Alleswisser
Schau
Da ist er
Der Alleswisser
Ständig ist er auf der Suche
Nirgends ist er daheim
Nie verweilt er irgendwo
Einst verlernte er das
Einfache
Genießen
Kindliche
Freuen
Offene Gespräch
Er lernte
Die Sinnlosigkeit des Lebens
Die Naturwissenschaft
Die Wirtschaft
Die Politik
Den Sport
Die Kunst
Die Juristerei
Das Handwerk
Er weiß nun alles
Dennoch kann er
Niemandem anbieten
Sein geniales Wissen
Niemand will etwas von ihm wissen
Wenn man ihn hört
Fühlt man sich
So klein
So unnütz
So dumm
Oh nein
Seht es ein!
Ihr seid voneinander abhängig:
Klein & groß
Schlau & dumm
Reden & hören
Lernen & lehren
Verfallt nur nicht in die Extreme
Erkennt, was Sartre schon von sich gab:
'Wenn der Mensch verstanden hat
Das es sinnlos ist
Alles verstehen zu wollen,
Hat er alles verstanden
Was zu verstehen sich lohnt …’
Wann siehst Du es ein?
Mein Freund
AIleswisser
Schaue Dir die Tanne an
Möchtest Du die auf einmal in Deinem kleinen Ofen verfeuern?
Willst Du verbrannt werden?
Ausgebrannt?
Warum machst Du das dann mit Deinem Leben?
Wann beginnst Du damit???
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 12 1996)
per arne - 26. Jan, 20:54
Kein Entrinnen
Ich möchte
Von der Bildfläche verschwinden
Zumindest gelegentlich
Nichts mehr sehen
Nicht mehr gesehen werden
Bei einem Ort verweilen, der mir gefällt & der mir zusagt
Bei dem ich, ich sein kann
Bei einer Tätigkeit verbleiben, die sinnvoll ist
Die nicht schon morgen überflüssig & überholt ist
Bei Gesprächen partizipieren, deren Ende man vorher nicht kennt
Bei Aktionen mich beteiligen, bei denen ich mich sorglos ganz einbringen kann
Aber das ist nicht möglich
Auch für mich gibt es kein Entrinnen
Von der Wirklichkeit
Von Banalitäten
Die auftreten &
Auf die man nicht mal in den pessimistischsten Träumen gekommen wäre
Von Reklamationen, die sich eigentlich jeden Aufwand gar nicht erst lohnen
Von dem Pech, das einen ständig verfolgt & geradezu auflauert
Um so doller, je stärker man sein Glück sucht
Von Angelegenheiten- die man kurz & schmerzlos klären könnte
Die aber bis zum Platzen aufgeblasen werden
Von Leuten, die nicht verstehen können
Das man sich änderte oder ändern möchte
Von der Zeit, die einen ständig einholt
Von der Vergangenheit, die einem im Nacken sitzt
Von dem endgültigen Ende, das todsicher auf uns alle wartet ...
(eingegeben 26.01.07- ausgedacht 12 1996)
per arne - 26. Jan, 20:39
Die Burg
Neulich besuchte ich die alte Burg
Hierhin zog ich mich schon in meiner Kindheit zurück
Wenn es für mich sonst wo keinen Platz mehr gab
Wenn ich einen Ort brauchte, mich zu finden
Wenn andere Möglichkeiten schon verschüttet waren
Oder als Ruinen übrig blieben
Anschließend war ich wie neugeboren
Voller Kraft
Gewann Distanz & Abstand
Konzentrierte mich wieder auf das
Wesentliche & sah es
Heute besuchte ich erneut meine alte Burg
Ich fand sie nicht
Sie wurde wegrationalisiert
Oh- Hilfe!
Wo muss ich hin?
Wo kann ich hin?
Das ist einerlei
Ich habe herauszufinden:
Wo komme ich her?
Was will ich?
Ich habe, hinter mir zu stehen
Wenn das nicht der Fall ist, habe ich sämtliche Brücken zu schließen &
Im Innern Ordnung einkehren zu lassen
Deshalb beschränke ich mich nicht auf einen Ort
Auf ein liebes Wort
Ich flüstere sie mir selber zu
Überall ist meine Welt
Mach Du es doch auch so
Ignoriere dabei allerdings die Schmerzen...
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 12 1996)
per arne - 26. Jan, 20:26
Der Richter
Ich bin Richter
Das ist sehr ermüdend
Ich verstehe, was gesagt werden sollte & wollte
Darf aber nur richten über die
Dinge, die tatsächlich gesagt wurden
Gelegentlich will ich Brücken bauen
Auf die Sprünge helfen
Doch
Der Angeklagte hört meine Worte gar nicht
Er hat nur seinen Fall im Kopf & seine Version
So
Bleibt mir nur das mitleid- & gnadenlose Richten
Wahrscheinlich soll ich mich auch nur darauf beschränken
Beschränke Du Dich aber nicht nur auf Dich
Lasse Leute zu Ende sprechen
Hinterfrage, was sie sagten
Gib stückchenweise Deine Meinung preis
Ach
Entschuldige!
Ich habe gar nicht über Dich zu richten
(eingegeben 26.01.07 - ausgedacht 12 1996)
per arne - 26. Jan, 20:16